In der letzten Nacht haben wir trotz der (für mich) zu harten Matratzen und der ungewohnten Geräusche ganz gut geschlafen. Um 6 Uhr 30 stehen wir auf und machen uns fertig. Das Frühstück (Frühstücksbüffet) in dem ganz toll ausgestatteten Restaurant des Hotels schmeckt sehr gut und gegen 8 Uhr 35 fahren wir hinunter zur Rezeption und checken aus. Wir bestellen noch ein Taxi, welches uns dann direkt zur Wilhelm Tham an der "Pakhuskajen" fährt.
Heute soll es nun endlich richtig losgehen mit der Fahrt auf dem Götakanal. Auf unserer Reiseroute liegen ein Fluss, 3 Kanäle, acht Seen, 66 Schleusen, zwei Meere und 596 Km Strecke. Davon ist der eigentliche Götakanal 190 Km lang, er beginnt in Sjötorp und endet in Mem. Während der Fahrt durch den eigentlichen Götakanal werden über fünfzig verschiedene Brücken passiert, die für das Schiff geöffnet werden müssen.
Vielfältige Landschaften werden wir durchqueren und an einige Landgänge zu einigen der bedeutensten Sehenswürdigkeiten Schwedens teilnehmen. Das Prinzip dieses "Small Ship Cruising", bei der Schiffe mit max. 50 Kabinen auf ungewöhnlichen Routen unterwegs sind, ist ein neuer Trend in Europa, Amerika und Fernost. Hier auf dem Götakanal führt man diese Art des Reisens bereits seit über 130 Jahren durch.
Einige Fakten zum Kanal
58000 Soldaten und Arbeiter haben 1812 bis 1832 den Kanal gegraben.
Der Bau war eine politische Entscheidung wegen der damaligen Probleme mit Dänemark und Norwegen.
Die Schiffe wurden als Fracht- und Passagierschiffe eingesetzt.
Der Kanal geht von Mem an der Ostsee bis nach Sjötorp am Vänern See.
Der Kanal macht allerdings nur ein Drittel der Strecke aus.
Das folgende sehr schöne Buch erhält man bei Buchung einer Reise auf dem Götakanal mit seinen Unterlagen :
Der Göta Kanal von Ralf Schröder, Verlag :Vision Travel Edition, ISBN : 3-936911-07-X)
Abfahrt in Göteborg
Vor dem Schiff warten schon etliche Leute, es ist die Reisegruppe, die wir bereits auf der Fähre bemerkt haben. Es ist erst 8 Uhr 55 und vor 9 Uhr wird keiner an Bord gelassen. Nach uns treffen noch weitere Individualtouristen per Taxi ein. Punkt 9 Uhr wird dann jeder persönlich von der schiffseigenen Reiseleiterin Ann-Sofie und dem 1. Steuermann an der Gangway begrüßt und erhält seine Kabinennummer. Ein Besatzungsmitglied führt uns anschließend direkt zu unserer Kabine (C 10) auf dem Hauptdeck und trägt gleichzeitig noch unser Gepäck dorthin. Ein sehr angenehmer Service.
unsere Kabinen
Die Kabinen sind wirklich sehr klein. 2 Betten übereinander, ein Waschtisch, viele Haken und ein Minischrank zum Aufhängen einiger Sachen. Die Klimaanlage besteht aus einem mehr oder weniger weit zu öffnendem Bullauge. Der restliche Platz reicht gerade dafür, dass 2 Personen nebeneinander stehen können. Aber die Kabine ist ansonsten nett ausgestattet und die meiste Zeit werden wir sowieso an Deck verbringen. Es sind 2 Steckdosen in der Kabine (220 V) vorhanden und 3 Lampen.
Wir packen den größeren der beiden Koffer aus und lassen ihn vom Personal an Bord verstauen, diese Möglichkeit besteht. Ansonsten hängen wir alles an den vielen Haken auf, verstauen es unter dem Bett oder nutzen den wenigen Platz unter dem Waschbecken. Man muss sich halt einschränken. Auf dem Schiff kann man sich bis auf den Mannschaftsbereich völlig frei bewegen und auch jederzeit die Brücke besuchen.
Wir begeben uns zur Informationsveranstaltung in den schön eingerichteten Speisesaal. Dieser wirkt sehr nostalgisch und bei der Ausstattung wurde viel Mahagoni und Messing eingesetzt. Die Veranstaltung verzögert sich zum Glück etwas, so dass ich das Ablegemanöver und unsere Abfahrt um 10 Uhr in Göteborg filmen kann.
Der Kapitän und die Reiseleitung begrüßen uns
Gegen 10 Uhr 30 beginnt dann die Informationsveranstaltung. Zunächst begrüßt uns der Kapitän an Bord der Wilhelm Tham. Sowohl er, wie auch die anderen Besatzungsmitglieder geben uns erste Information über das Schiff. Die Reiseleiterin an Bord erzählt uns dann noch einiges mehr über den Ablauf der Reise und den ersten Tag an Bord. Draußen ziehen die Außenbezirke und Industrielandschaften von Göteborg vorbei, so dass wir nichts verpassen. Nach Ende der Veranstaltung erkunden wir erst einmal das Schiff und sehen uns auf allen Decks um. Die Landschaft ist inzwischen ländlicher geworden. Sehr viel Grün und sanfte Hügel beherrschen das Ufergelände.
das erste Mittagessen
Gegen 12 Uhr 30 beginnt das Mittagessen (2 Gänge). Die Tische sind mit Leinentischdecken und echtem Silberbesteck gedeckt. Jeder bekommt für den Rest der Reise einen festen Platz für das Mittag- und Abendessen zugewiesen, beim Frühstück besteht freie Platzwahl.
Mittagessen
-- gebeizter Lachs auf Toast, dazu Senf- und Dillsauce
-- Roggenbrot
-- Hähnchenfilet mit einer Füllung aus Frischkäse, dazu Preiselbeertunke und Wild- und Weißreispilaw
Die beiden Hauptmahlzeiten werden per Gongschlag angekündigt. Dazu wandern Peter und Sofia, die beide sind für das Restaurant und die Bar zuständig, mit einem Gong über das Shelter- und Hauptdeck, so dass eigentlich niemand das Essen verpassen kann. Auch für die Getränke an Bord wird eine besondere Regelung getroffen (siehe Info). Wir sind gerade mit dem Mittagessen (2 Gänge) fertig, da erreichen wir auch schon die erste Schleuse in Lilla Edet. Viele Mitreisende gehen sofort nach draußen, um sich das nicht entgehen zu lassen.
Nach dem Mittagessen wird auf dem hinteren Brückendeck Kaffee und Gebäck serviert. Hier stehen viele Korbsessel und auch einige Liegestühle, in denen man es sich bequem machen kann. Dazu gibt es noch Sitzkissen und Decken. Die Landschaft ist jetzt sehr viel schöner geworden, viel Grün, vereinzelt typische schwedische Holzhäuser und ein noch immer recht breiter Fluss Göta Älv.
Die Schleusen von Trollhättan
Ziemlich pünktlich erreichen wir gegen 15 Uhr 45 die Schleusentreppe von Trollhättan. Leider hat es in der Zwischenzeit angefangen zu regnen. Diese Schleuse ist schon sehr beeindruckend. Mit Hilfe von insgesamt 6 Schleusenkammern werden die Schiffe hier um 44 Meter angehoben. 3 Schleusenkammern liegen direkt hintereinander. Es ist schon ein beeindruckender Anblick, die Boote schon weiter oben in der Schleuse vor sich zu sehen. Insgesamt dauert die Durchquerung der 6 Schleusen 60 Minuten. Außerdem kann man hier noch die alten Schleusenanlagen von 1800 und 1844 sehen, die aber bald zu klein wurden. Daher wurde die neue große Schleuse 1916 gebaut, die heute noch immer in Betrieb ist.
Nach der letzten Schleuse legen wir an. Der Besuch eines Kanalmuseum steht auf dem Tagesprogramm. Mit unserer Reiseleiterin Ann-Sofie zusammen laufen wir, jetzt ohne Regen, hinüber zum Trollhätte Kanalmuseum. Dort erhalten wir durch einen Film Einblick in die Entstehung des Trollhättankanals, wie er sich hier jetzt nennt. Ein kurzer Bummel durch das Museum, dann ruft unser Schiff schon wieder zur Abfahrt.
Gegen 18 Uhr verlassen wir Trollhättan und kurz darauf gongt es zum Abendessen (3 Gänge). Erstaunlich was man auf so einem kleinen Schiff für ein gutes Essen zubereiten kann. Noch während des Essens passieren wir eine weitere Schleuse, die jedoch bei weitem nicht so interessant ist.
Abendessen
Abendessen
-- Lachsmedaillons mit Dressing von Kvibille Blauschimmelkäse, Crudité und gebackenen Äpfeln
-- Sauerteigbrot
-- gegrillte Tournedos mit Madeiratunk, Zwiebelkonfitüre und Kräuterkartoffeln in Blätterteig
-- Vanillepanacotta mit maribierten Erdbeeren
wir legen über Nacht in Vänersborg an
Gegen 19 Uhr 30 legen wir in Vänersborg an. Hier, kurz vor der Einfahrt auf den Vänernsee, findet heute noch eine weitere Besichtigung statt. Eine Elch- und Jagdmuseum ist das Ziel eines kurzen Busausflugs. Ich bleibe an Bord, während Elke mit zur Besichtigung fährt. Ersten ist es draußen wieder sehr regnerisch geworden und so kann ich in Ruhe den Tagesbericht schreiben und die Bilder überspielen. An Bord ist es jetzt sehr ruhig. Ich sitze ganz alleine vorne im Salon des Schiffes, nur wenige Gäste sind an Bord geblieben. Die Besatzung ist sicherlich u.a. mit dem Spülen des Geschirrs vom Abendessen beschäftigt. 2 Besatzungsmitglieder sind Joggen gegangen.
Der Tag heute war zu Anfang ziemlich aufregend, da alles hier an Bord neu ist. Inzwischen haben wir uns an vieles gewöhnt und sind nun gespannt auf die kommende Nacht, die allerdings sehr kurz sein wird. Wenn morgen früh um 4 Uhr 45 die Motoren wieder angeworfen werden, sind bestimmt alle sofort wach. Außerdem werden wir mal sehen, wie das morgen früh mit den Duschen funktionieren wird. Ansonsten war es ein sehr schöner, wenn leider auch zum Schluss ein etwas verregneter Tag. Morgen soll das Wetter besser werden und dann fahren wir auch nach dem Vänernsee in den eigentlichen Götakanal ein. Wir lassen uns überraschen.
| Wetter | : | bewölkt in Göteborg, aber trocken, mittags 19-20 Grad nachmittags teilweise schauerartiger Regen |
| Unterkunft | : | Wilhelm Tham |







