Stadtbummel in Eigenregie
wir erreichen die Mündung der Seine
Heute schlafen wir endlich mal wieder ohne Wecker aus. Gegen 7 Uhr 30 erreichen wir die Seine-Mündung . Wir werden die Seine heute 120 Km landeinwärts bis nach Rouen befahren. Das Wetter ist noch stark bewölkt bis neblig.Nach dem Frühstück übersehe ich auf dem Weg zur Kabine kurz hinter dem Sportstudio vor den Fahrstühlen eine Stolperfalle und falle lang hin auf die linke Körperseite. Mein Kopf streift dabei gerade noch die Wand. 2 Mitarbeiterinnen von Aida kommen zufällig vorbei und erkundigen sich sofort nach mir. Ich stehe auf und mir geht es in diesem Augenblick gut. Es fühle nicht, dass irgendwo etwas weh tut.
Kurz nach der Mündung der Seine passieren wir die Schrägseilbrücke Pont de Tancarville.
schöne Fahrt auf der Seine
Inzwischen sind wir auf das Deck 11 hochgefahren, denn von hier aus kann man am Besten in alle Richtungen sehen. Langsam hebt sich der Nebel und die Sonne kommt heraus. Wir fahren durch eine wunderbare Landschaft mit schönen Häuschen, Schlössern bzw. Herrenhäusern. Insbesonders die normannischen, traditionell reetgedeckten Fachwerkhäusern sind immer wieder faszinierend. Auf dem Dachfirst der alten "Chaumières" werden traditionell Iris gepflanzt. Entlang des Flusses erstreckt sich hier nämlich die Route des Chaumieres („Straße der Reetdachhütten“). Mehr als hundert dieser Reetdachhäuser reihen sich entlang der 53 Kilometer langen Route.
SEINE - normannische, traditionell reetgedeckten Fachwerkhäuser (Chaumières) am Flußufer
Wir wechseln immer wieder die Seite auf dem Schiff um nichts zu verpassen. Mal kann man weit in die Landschaft sehen, dann stehen wieder Kreidefelsen nahe dem Ufer auf der einen oder anderen Seite. Unterwegs passieren uns immer wieder Flusskreuzfahrtschiffe auf dem Weg nach Le Havre. Zwischendurch legen wir eine kurze Pause vom "Sightseeing" ein und bestellen uns etwas zum trinken. Dann geht die Wanderung zwischen Backbord und Steuerbord weiter.
Poolbrunch und Housekeeping Entertainment
Um 11 Uhr 45 wird ein französisches Buffet auf dem Pooldeck eröffnet. Diverse Spezialitäten Frankreichs werden angeboten, die sehr lecker schmecken. Zur Unterhaltung haben einige Leute vom Housekeeping Tänze einstudiert, die sie heute auf dem Pooldeck vorführen. Die anwesenden Passagiere sind begeistert und das Personal vom Housekeeping bekommt viel Applaus. Parallel zur Tanzvorführung hat ein Crewmitglied aus einem großen Eisblock einen Fisch "geschnitzt", der sehr toll aussieht.
Dann ist wieder "Seine gucken" angesagt. Die Lufttemperaturen steigen immer weiter. Unterwegs passieren wir u.a. die Ruinen der Abtei Jumièges, die wir im Rahmen der Flusskreuzfahrt im Herbst diesen Jahres besichtigen werden (hat sich inzwischen erledigt). Man kann gar nicht alles beschreiben, was man rechts und links am Flussufer sieht.
wir erreichen Rouen - Stadtbummel
Gegen 13 Uhr 30 erreichen wir Rouen, es war eine tolle Fahrt auf der Seine. Morgen nachmittag haben wir das Vergnügen der Flussfahrt noch ein zweites Mal, dann bei einem anderen Sonnenstand. Wir legen am Rouen Cruise Terminal kurz vor der Pont Gustave Flaubert an. Hier ist Schluß für Kreuzfahrtschiffe. Hinter der Pont Gustave Flaubert, die eine Hubbrücke ist, folgen nur noch sehr niedrige Flussbrücken.
Nachdem die Aidaaura angelegt hat gehe ich von Bord. Elke bleibt auf dem Schiff, sie hat müde Beine und will sich ausruhen. Wir werden morgen gemeinsam in die Stadt gehen. Ich begebe mich direkt zum Shuttlebus, der angeblich um 14 Uhr 30 abfahren soll. Dann heisst es plötzlich, er kommt vielleicht doch erst um 15 Uhr. Große Verwirrung. Außerdem soll er nur alle 30 Min fahren und über Mittag auch eine längere Pause einlegen. Die Schlange ist inzwischen schon ziemlich lang. Zum Glück stehe ich recht weit vorne.
Um 14 Uhr 45 kommt endlich ein Bus, aber bei weitem nicht alle Passagiere kommen mit. Die Klimaanlage funktioniert nicht und so schwitze ich ganz schön auf dieser ca. 10-minütigen Fahrt. Am Busbahnhof (Rue des Charrettes) steigen alle aus. Ich werde versuchen, mir heute alle Sehenswürdigkeiten anzusehen, die etwas weiter weg von meiner geplanten Route liegen, damit wir uns morgen ausschließlich auf die Innenstadt konzentrieren können.
Art-Deco in Rouen
ROUEN - Haus des Ferdinand Marrou
Ich bummel durch die Innenstadt über die Rue Jeanne d'Arc immer Richtung Nordwesten und schon unterwegs fallen mir die vielen schönen Häuser (Fachwerk und andere Baustile) auf. Die Altstadt von Rouen besitzt ein wirklich tolles, geschlossenes Bild mit alten Häusern. Insgesamt soll es etwa 2000 Fachwerkhäuser geben. Manche Häuser sehen aus, als ob sie jeden Augenblick umfallen bzw. die Holzkonstruktion o.ä. zusammenbricht. Rouen ist eine der architektonisch heterogensten Städte in Frankreich: heterogen bezüglich der Epochen, aber auch des verbauten Materials. Nach ca. 15 Min erreiche ich das "Le Café Metropole", erbaut 1930. Es war der Treffpunkt von Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre. Im Inneren ist noch der Art-Deko-Stil zu erkennen. In Rouen gibt es noch einige weitere Gebäude aus der Art-Deco-Zeit.
Auch der Bahnhof, den ich als nächstes ansteuere, stammt aus der Art-Deco-Zeit. Er wurde 1915-1928 erbaut. Besonders schön ist der kupferfarbenen Uhrenturm, der eine Höhe von 34 Metern erreicht. Gleich neben dem Bahnhof steht das Haus von Ferdinand Marrou (Rue Verte Nr. 29), ein Künstler, der Kunstwerke aus Schmiedeeisen erschaffen hat. Das kann man auch an seinem Haus sehen. Er war Autodidakt.
wunderschöne Fachwerkhäuser
ROUEN - Maison Penchée 17.Jhdt.
Von hier aus bummel ich weiter Richtung Südosten zum Place de la Rougemare. Hier steht ein aussergewöhnliches Haus, das La Maison Des Vieux Logis, ein Fachwerkhaus mit roten Ziegeln im neugotischen Stil von 1897, erbaut für einen Sammler gotischer und Renaissance-Kunst. Es besticht durch viele Holzskulpturen an der großen Fassade. Weiter geht es zur Abtei-Kirche St. Quen , die aber z.Zt. renoviert wird. Man kann sie trotzdem betreten. Es ist schon ein komischer Eindruck eine komplett leergeräumte Kirche zu sehen. Sie wirkt dadurch noch gewaltiger.
Nächster Stopp ist die Rue Eau de Robec. Auch in dieser Straße stehen viel Fachwerkhäuser. Am Fuße dieser Fachwerkhäuser fließt ein kleiner Bach: der Robec, der heute kanalisiert ist. Früher wuschen sich die Färber im Bach die Hände und wodurch der Bach ständig seine Farbe wechselte. Er trägt aber weiterhin zum Charme der Straße bei. Bemerkenswert ist hier das um 1475 erbaute Gebäude "Haus der vier Söhne Aymon" an der Ecke zur Rue de Ruissel. Eines der bemerkenswertesten Fachwerkhäuser in Rouen.
der Pestfriedhof von Rouen
Es macht mir sehr viel Spaß einfach so durch diese wunderschöen Stadt zu schlendern. Über kleine Nebenstraßen erreiche ich an der Rue Géricault den unscheinbaren Eingang zum Pestfriedhof Aitre Saint Maclou. Bereits 1348 wurden hier Tote im Innenhof beigesetzt. Später wurde der neue, heute sichtbare Kreuzgang ringsherum gebaut und mit Dachböden versehen, um die Gebeine aufzunehmen. 1781 wurde der Friedhof geschlossen. Im südlichen Flügel von 1651 waren ununterbrochen verschiedenste Schulen untergebracht. 1940 z.B. zog hier die Schule der schönen Künste ein. Im Restaurant im Innenhof suche ich mir ein schönes Plätzchen unter schattigen Bäumen, um etwas zu trinken. Dann ziehe ich weiter Richtung Busbahnhof.
Unterwegs komme ich noch an der Kirche Saint Maclou von 1436 vorbei, an deren Nordwestecke sich ein Brunnen ähnlich wie Manneken Pis in Brüssel befindet. Allerdings ist das Manneken nicht Hauptbestandteil des Brunnens. Direkt neben der Kirche steht das Maison Penchée aus dem 17.Jhdt. mit einer sehr deutlichen Neigung nach links. Sehr interessant ist auch das Treppenhaus. Ich bummle weiter durch tolle kleine Gassen. Das berühmte Viertel der Antiquitätenhändler liegt gleich neben der Kirche. Vom wunderschönen Place Barthélémy schlendere ich durch die malerische Rue Damiette um ihre Fachwerkhäusern zu bewundern. Auch die Rue Martainville mit ihren bunten Fassaden, die rechtwinklig zur Rue Damiette verläuft, ist sehenswert. Man kann sich gar nicht alles ansehen bzw. beschreiben was an Eindrücken in Rouen auf einen "einstürzt".
ROUEN - der Uhrenturm Gros Horloge
Durch die Rue Saint Romain mit schönen Fachwerkhäusern erreiche ich die Kathedrale von Rouen. Auch hier gibt es viele kleine Gassen, die wir morgen besuchen werden. Dann geht es über die Rue de Gros-Horloge zurück zum Busbahnhof. Dabei komme ich an dem Uhrenturm Gros Horloge aus dem 14. Jhdt. vorbei. Eine wunderschöne astronomische Wochenuhr mit einem Mondkalender, auf dem man die Gezeiten ablesen kann. In Rouen hebt und senkt sich der Fluss bis zu 5 m. Man kann auch den Turm besuchen, aber das erspare ich mir heute.
Rückfahrt zum Schiff
Kurze Zeit später komme ich am Busbahnhof an. Auch bei der Rückfahrt gibt es wieder Ärger und Probleme mit dem Shuttle. Manche Passagiere haben sich noch nicht mal genau erkundigt, wann die Busse fahren und sind sauer, dass kein Bus da ist, mit dem sie sofort zurück fahren können. Zum Glück bin ich frühzeitig genug da und als dann ein Bus, erstaunlicherweise früher als geplant eintrifft, bin ich als einer der ersten im Bus. Die Schlange ist inzwischen ziemlich lang geworden und nicht alle finden einen Sitzplatz.
Nach Auskunft der Aida-Scouts, die hier vor Ort versuchen alles zu regeln, darf mitfahren wer auf eigenes Riskio im Bus stehen will. Das aber läßt der Busfahrer nach Rücksprache mit seinem Chef nicht zu. Also müssen alle, die stehen, wieder unter großem Protest, raus aus dem Bus. Die Aida-Scouts, die für die Probleme nichts können, haben großen Stress mit den Passagieren. Auf der Rückfahrt haben wir viel Stau, es dauert doppelt solange wie heute Mittag. Vom Bus aus, wie auch unterwegs in Rouen, habe ich mich immer wieder mal bei Elke gemeldet, damit sie weiß wo ich bin.
endlich wieder Abendessen im Freien
Gegen 17 Uhr 30 bin ich nach rund 6 Km Rundgang durch Rouen bei 26 Grad zurück an Bord. Wir machen uns fertig und gehen zum Abendessen. Heute können wir endlich mal wieder bei angenehmen Temperaturen im Freien essen und bekommen auch nette Tischnachbarn. An der Ocean Bar gönnen wir uns nach dem Abendessen einige Cocktails. Elke probiert den "Dark und Storm" und ich einen "Swimmingpool". Später folgt noch ein Erdbeershake. Abends schauen wir mal wieder im Theater vorbei. Nach einem Interview der Entertainment-Managerin mit der Spa-Managerin tritt eine Volkstanztruppe aus der Umgebung von Rouen auf. Das ist mal eine ganz andere Abendunterhaltung, aber nett.
Heute abend merke ich jetzt doch meine linke Seite, auf die ich heute früh gefallen bin. Der Schmerz hält sich aber in Grenzen. Könnte vielleicht doch eine Prellung der Rippen sein. Ich kann aber auf die Seite drücken ohne dass es weh tut und beim kräftigen Einatmen verspüre ich keine Schmerzen. Zur Sicherheit nehme ich, damit ich gut schlafen kann, trotzdem eine Schmerztablette und versuche nur auf der rechten Seite zu liegen.
Was für ein toller Tag. Rouen ist wirklich eine sehenswerte Stadt mit so vielen tollen, alten und interssanten Häusern. Schön, dass wir morgen nochmal Zeit für die Stadt haben.
einige interessante Links
Hier noch einige Links für schöne Orte in Rouen :
Die 10 ungewöhnlichsten Orte in Rouen
Die 5 schönste Fachwerkhäuser in Rouen
| Wetter | : | früh Wolken und Nebel, ab 9 Uhr Auflockerung, dann heiter und 26 Grad |
| Unterkunft | : | AIDAAURA - Balkonkabine 7227 (backbord) |
| Wellen | : | beim Abbiegen zur Seine bis zu 2,5 m, hat im Bett ganz leicht geschaukelt |


