Polarkreis, Svartisen-Gletscher, die Lofoten und der Trollfjord
25.06.2006
Balken

Die letzte Nacht war die erste, in der wir nicht so gut geschlafen haben. Auf Grund der Ankündigung des Kapitäns von gestern Abend sind nämlich viele Leute bis nach Mitternacht aufgeblieben. Dadurch entsteht Unruhe im Schiff, Türen gehen auf und zu, die sonst nachts nicht mehr benutzt werden und Menschen verursachen Geräusche. So sind wir gegen 6 Uhr 30 aufgestanden. Die Orte Brǿnnǿysund (1 Uhr 00), Sandnessjǿen (4 Uhr 15) und Nesna (5 Uhr 30) haben wir wieder verschlafen.

wir passieren den Polarkreis

Trotz der Ankündigung, jetzt wird gleich der Polarkreis überfahren, bin ich nicht nach draußen gestürmt wie viele andere. Erstens gibt es überhaupt nichts zu sehen, zweitens ist die Weltkugel auf einer kleinen Schäre, die den Kreis markiert, im letzten Jahr durch einen Sturm zerstört worden.

Kurze Zeit später passierte uns die MS Kong Harald südwärts fahrend. Alle Schiffe begrüßen sich gegenseitig lautstark immer mit ihren Schiffssirenen. Einige Fotos und ein paar Meter Film, dann zog es uns doch zum Frühstück ins Restaurant.

Wir mussten uns auch beeilen, denn für 8 Uhr 25 war unser Ausflug zum Svartisen Gletscher angesetzt. Kurz vor diesem Zeitpunkt erschienen wir an der Rezeption und konnten gleich anschließend weiter hinunter bis zum Deck 2 gehen.

Ausflug zum Svartisengletscher

Zwischen Nesna und Ørnes stoppte unser Schiff vor der Holandsfjords und eine der seitlichen Ladeluken wurde geöffnet. Über eine Gangway verließen wir die MS POLARLYS. Ein kleiner Kutter nahm uns an Bord. Ca. 90 Minuten sollte die Fahrt zum Svartisen Gletscher dauern. Unsere Reiseleiterin erzählte uns einiges über das Gebiet, auch über die vielen Vögel, die hier nisten. Im nächsten Augenblick tauchte auch schon majestätisch dahingleitend der erste Seeadler auf. Ein wunderschöner Anblick. Kurze Zeit später entdeckten wir noch einen weiteren Seeadler, der in aller Ruhe auf einem Baum am Ufer saß. Das Schiff schien ihn überhaupt nicht zu stören. So konnten wir bei der Vorbeifahrt sehr schöne Fotos schießen.

Weiter ging die Fahrt durch den Holandsfjord bei etwa 10 Grad Außentemperatur durch eine sehr schöne, aber wolkenverhangene Landschaft. Alles sah irgendwie ein bisschen gespenstisch aus. Als wir uns dem Gletscher vom Wasser her näherten, wurde es plötzlich heller. Man muss auch mal ein wenig Glück haben. Wunderschön lag er jetzt teilweise in der Sonne und die Fotoapparate klickten nur so vor sich her.

Wir legten in der Nähe des Informationscenters an und liefen die letzten 800 Meter bis dorthin zu Fuß. Zunächst sah alles danach aus, als ob ein Birkenwäldchen uns die letzen Meter zum Gletscher und damit eine gute Sicht versperren würde. Am Infocenter angekommen lag er jedoch in voller Schönheit vor uns. Als I-Tüpfelchen noch ein See davor, in dem sich der Gletscher mehr oder weniger gut spiegelte. Was für ein Anblick !Wir gingen jedoch zunächst einmal Kaffee trinken (inklusive Kuchen), war im Fahrpreis mit eingeschlossen.

Als dann die Massen in das Infocenter strömten, waren wir bereits fertig, verließen das Center und hatten viel Platz und Ruhe für unsere Fotos. Von den verschiedensten Stellen aus hatte man die schönsten Blicke auf den Gletscher. Selbst die Sonne ließ sich immer wieder blicken und so ergaben sich wunderbare Fotomotive.

20 Minuten vor Abfahrt unseres Kutters liefen wir wieder zurück zum Anleger, nicht ohne unterwegs noch ein paar schöne Landschaftsbilder zu „knipsen“. Der Kutter brachte uns an das gegenüberliegende Ufer des Fjords, wo schon die Reisebusse für die Rückfahrt bereit standen. Langsam verschwand die Sonne wieder und die ersten Tropfen fielen auch schon.

Wir hatten trotz allem wirklich Glück gehabt am Gletscher. Tags zuvor soll es hier geregnet haben und vor lauter Nebel haben die Leute den Gletscher nicht gesehen. Nach ca. 1 Stunde Fahrt legten wir eine kurze Toilettenpause ein und dann ging’s weiter durch eine wald- und seenreiche Landschaft.

Zwischenstopp am Saltstraumen

Am so genannten Saltstraumen legten wir dann nochmals eine Pause ein. Dieser Gezeitenstrom fließt 4mal am Tag durch einen relativ schmalen Sund und bewegt dabei erhebliche Wassermassen. Er soll bis zu 40 Km/h schnell sein. Als wir ihn beobachteten, war er ziemlich träge, es war halt die falsche Zeit. Nach weiteren 40 Minuten Fahrt und gegen 15 Uhr erreichten wir wieder unser Schiff, welches inzwischen bis nach Bodǿ gefahren war. Wir gingen an Bord und sofort wurden die Anker gelichtet, die MS POLARLYS nimmt Kurs auf die Lofoten.

Wir sind sofort zum verpassten Mittagessen marschiert und konnten uns wieder am Büffet bedienen.

Eine weitere 3stündige Strecke über das offene Meer steht uns bevor. Bisher waren aber alle absolut harmlos gewesen. Auch zurzeit, wir sind jetzt bereits 2 Stunden auf dem Meer, bewegt sich das Schiff fast gar nicht. Draußen ist es fast „spiegelglatt“.

Wir werden uns jetzt für das Abendessen vorbereiten und mal sehen was heute noch so passiert. Noch während des Abendessens konnten wir beobachten, dass unser Schiff bereits im ersten Hafen der Lofoten, in Stamsund (19 Uhr 30) anlegte.

Zum Abendessen gab es marinierten grüner Spargel mit Schinken auf Pumpernickel dazu Apfelsalat als Vorspeise, danach wurde Fisch mit Schinken in Schwarzwurzelsoße mit Dillkartoffeln gereicht, das Dessert war Zitronencreme mit Gelee, Sternfrucht und Erdbeere.

wir haben die Lofoten erreicht

Es war zwar nur ein kurzer Stopp in Stamsund, aber wir sind auf den Lofoten angekommen. Dicke Jacken waren jetzt angesagt, denn wir wollten auf Deck 5 uns noch ein wenig von der Landschaft der Lofoten ansehen. Ab und zu lugte die Sonne noch etwas durch die Wolken. Gegen 20 Uhr 15 passierte uns dann die MS NORDLYS auf ihrem Weg zurück nach Süden. Gegen 21 Uhr legte unser Schiff für ca. 1 Stunde in Svolvær, dem zentralen Ort der Lofoten, an. Ca. 75 Personen verließen hier das Schiff samt Gepäck, wahrscheinlich Einheimische, aber auch Touristen waren zu erkennen.

Leider herrschen immer noch die vielen dunkelgrauen Wolken draußen vor. So wird wahrscheinlich die Einfahrt in den Trollfjord und unsere Fahrt durch den Raftsund nicht das besondere Erlebnis werden. Aber diese Passage steht ja eigentlich tagsüber erst auf der Rückfahrt auf dem Programm.

So werden wir uns langsam vom Tagesgeschehen zurückziehen. Ich schreibe noch den Tagesbericht zu Ende und werde mir die Bilder ansehen. Dann gehen wir schlafen. Die letzte Nacht war etwas kurz und morgen können wir ausschlafen.

Der Wetterbericht deutet übrigens an, dass es etwas sonniger werden soll. Mal sehen. Kurzfristig habe ich mich dann doch noch umentschieden. Die Helligkeit, die draußen herrscht und die vielen Leute, die noch an Deck waren, haben mich animiert aufzubleiben. Und es hat sich gelohnt. Elke, die noch sehr müde von der letzten Nacht war, hat sich schon hingelegt. Wie gesagt, wir sehen das alles noch mal auf der Rückfahrt.

Nachdem wir Svolvær wieder verlassen hatten, dauerte es noch eine Stunde bis wir den Trollfjord erreichten. Es ist jetzt 23 Uhr 20 und noch immer sehr hell, trotz einer fast geschlossenen Wolkendecke. Ich glaube, mindestens 80 % aller Passagiere sind noch wach und wollen sich das Schauspiel nicht entgehen lassen.

Einfahrt in den Trollfjord

Backbord voraus tauchte dann eine relativ schmale Einfahrt auf, das soll der Eingang zum Trollfjord sein. Vorsichtig dreht die MS POLARLYS nach backbord (links) und schiebt sich durch die nur 100 m breite Einfahrt in den Fjord. Das sieht schon toll aus. Relativ steile und hohe Wände begleiten uns rechts und links auf den 2 Kilometern bis zum Ende des Fjords. Hier vergrößert sich dieser etwas, so dass unser Schiff keine Probleme hat mit Bug- und Heck- strahldüsen das 123 m lange und fast 20 m breite Schiff zu drehen. Es sieht aber schon sehr imposant aus.

Wir verlassen dann den Trollfjord und steuern durch eine sehr kurze, aber enge Passage auf die Einfahrt zum Raftsund zu. Auch das gelingt ohne Probleme. Schließlich sind alle Offiziere an Bord Norweger und müssen mindestens 5 Jahre Praxis auf einem anderen norwegischen Schiff vorweisen und das Lotsenpatent besitzen. Die ersten Meter des Raftsunds sehe ich mir noch an, ein relativ schmaler Sund, aber ohne Probleme für unser Schiff. Dann, so gegen 0 Uhr 30 überkommt mich doch die Müdigkeit und ich schleiche mich in die Kabine zurück. Ein zwar trüber, aber schöner Tag geht zu Ende .

Balken
Wetter : überwiegend stark bewölkt, am Gletscher trocken und etwas Sonne bei 10 Grad
Später wieder trübe und einzelne Tropfen
Unterkunft : MS Polarlys

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