Der Fanal (alte Lorbeerbäume) und die Hochebene Paul da Serra
28.08.2012
Balken

die Levadas sind Geschichte, es ruft die Hochebene

Heute beginnen unsere letzen 2 Tage auf Madeira. Nachdem wir gestern eine so schöne Wanderung zu den "25 Quellen" und zum Risco Wasserfall hatten, schließen wir jetzt mit dem Thema Levadas ab, besser kann es nicht werden. Heute werden wir, falls das Wetter mitspielt, hinauf ins Fanal fahren, auf 1150 m Höhe, etwa oberhalb des Ortes Seixal an der Nordküste. In dieser Ecke von Madeira, eine Art Hochebene (aber eben nicht Paul da Serra) befinden sich die letzten uralten Lorbeerbäume von Madeira. Es gibt 4 Spezies dieser Lorbeerbäume, wovon eine schon sehr selten geworden ist. Um diese Exemplare den Leuten näher zu bringen, hat man hier oben einen Grillplatz und mehrere andere Einrichtungen installiert um die Leute hierher zu locken und ihnen die Schönheit dieser alten, erhaltenswerten Bäume zu zeigen.

Beim Frühstück unterhalten wir uns noch mit 2 Gästen aus Warnemünde, die heute abreisen. Sie wollen in zwei Jahren nach Alaska fliegen und haben uns, weil wir davon sprachen, nach unseren Erfahrungen gefragt. Wir haben ihnen darauf hin eine Visitenkarte unserer Homepage gegeben, wo sie sich im Detail informieren können. Ihm kam unsere Seite schon irgendwie bekannt vor, so klein ist die Welt.

Fahrt über die Hochebene nach Fanal

Wir verabschieden uns von den Beiden, packen unsere Sachen und fahren wieder über die steile ER211 hinauf ins Hochland von Madeira. Auf der Fahrt vorbei an Rabaçal sind wir sehr überrascht. Schon der Parkplatz am Zugang zum Reitertunnel ist voll und auch auf dem Parkplatz direkt am Zugang zur Straße zum Forsthaus Rabaçal stehen schon sehr viele Autos. Alleine 10-15 Minibussen mit Wandergruppen parken hier oben schon um diese Zeit. Das sieht wirklich nach Massenwanderung aus. Was haben wir da gestern bei unserer Wanderung zu den "25 Quellen" für ein Glück gehabt.

bei der Fahrt auf der Hochebene muss man ständig mit Rindviechern rechnen

bei der Fahrt auf der Hochebene muss man ständig mit Rindviechern rechnen

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Wir fahren weiter auf der ER105 und biegen später links ab auf die ER209 Richtung Porto Moniz ab. Nach etwa 8 km erreichen wir den Parkplatz am Forsthaus Fanal. Es sind scheinbar nur sehr wenige Touristen hier, denn auf dem Parkplatz stehen nur 3 Autos. Schon von hier aus sehen wir die alten, knorrigen Lorbeerbäume. Vor einigen stehen auch Namensschilder, darunter auch der des Stinklorbeer, der nicht als Gewürz eingesetzt werden kann. Elke zerdrückt ein Blatt und verspürt tatsächlich für einen Augenblick einen sehr unangenehmen Geruch.

Spaziergang unter uralten Lorbeerbäumen

wir spazieren durch die vielen Lorbeerbäume die hier stehen

wir spazieren durch die vielen Lorbeerbäume die hier stehen

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Wir wenden uns am Grillplatz nach links und wandern, auf Grund einer ungefähren Beschreibung links an einer Erdfurche entlang querbeet durch die vielen Lorbeerbäume. Teilweise mächtige Exemplare stehen hier verstreut in einem größeren Areal. Beeindruckend sind die Stammdurchmesser einiger Bäume. Hier befindet sich auch der letzte Kratersee Madeiras, der aber in den Sommermonaten völlig austrocknet.

beeindruckende alte, knorrige Lorbeerbäume

beeindruckende alte, knorrige Lorbeerbäume

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Wir laufen anschließend bergauf durch weitere alte Lorbeerbäume, in denen sich viele Flechten angesiedelt haben. Es scheint eine feuchte Gegend hier oben zu sein. Wir sehen auch immer wieder, wie einige kleinere Wolken den Berghang hinaufziehen und sich dann langsam auf der Hochebene wieder auflösen. Von einem kleinen Hügel oberhalb des Kratersees haben wir eine schöne Aussicht auf die vor uns liegende Nordküste, vor allen Dingen Richtung Osten. Eine tolle Aussicht, alles ist total bewachsen, ein richtig grüner Überzug. Hier oben am Aussichtspunkt stehen scheinbar besonders alte Exemplare der Lorbeerbäume wie wir am Stammdurchmesser erkennen können. Einige Bäume sind vom vorherrschenden Nordwestwind ganz verbogen worden. Vom Hügel aus können wir auch über das riesige Tal des Ribeira de Janela hinüber bis nach Rabaçal sehen.

Rundgang um den "Berg" Predeira

kleine Wanderung rund um den Berg Predeira

kleine Wanderung rund um den Berg Predeira

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Wir folgen zunächst einem Trampelpfad und steigen anschließend auf einem Bohlenweg weiter empor. Jetzt verändert sich die Landschaft. Nur noch Farne bedecken eine große freie und ebene Fläche und immer wieder ziehen Wolkenfetzen hier entlang. Kein Wunder, dass sich die Farne hier wohl fühlen. Der Sommer muss aber sehr trocken gewesen sein, viele Farne sind schon braun verfärbt. Entlang der Bergkante des "Hügels" Pedreira führt ein gut begehbarer Weg (PR 13 nach Paul da Serra). Er steigt nur leicht an und führt dann entlang der Nordseite des Hügels wieder durch dichten Lorbeerwald. Auch hier stehen mächtige Bäume, die über und über mit Flechten bedeckt sind. Der Weg ist etwas holperig aber trotzdem ganz gut begehbar.

ohne Worte

ohne Worte

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Später erreichen wir einen relativ breiten Schotterweg der nach rechts führt, wo wir auch hin wollen. Die Landschaft ist wieder offener geworden und die Farne dominieren die Umgebung. Wir folgen dem Schotterweg und umrunden sozusagen den Berg Pedreira auf der anderen Seite. Der Weg führt dann direkt zurück zum Forsthaus Fanal und endet etwas unterhalb des Parkplatzes. Man kann auch noch einige Abstecher vom Weg machen, die zu Aussichtspunkten führen, die wir uns aber erspart haben. Sowohl der Weg linkerhand vom Forsthaus über den Grillplatz zu den alten Lorbeerbäumen, wie auch der Rundweg um den Berg Pedreira herum sind ein lohnender Spaziergang in einer völlig anderen Umgebung Madeiras, als man sie hier sonst erlebt.

die Hochebene Paul da Serra

auf der Hochebene Paul da Serra wurden wegen der guten Windverhältnisse etliche Windräder installiert

auf der Hochebene Paul da Serra wurden wegen der guten Windverhältnisse etliche Windräder installiert

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Nach einem kleinen Picknick fahren wir auf der ER209 zurück Richtung Hochebene und biegen dann links auf die ER105 Richtung Paul da Serra ab. Schon auf dem letzten Kilometer zu diesem Abzweig sieht man die Veränderung der Vegetation. Nur noch wenige Sträucher und Büsche stehen auf dieser Hochebene. Lediglich ein kleines Waldstück können wir noch erkennen. Der Boden hier oben soll sehr wasserundurchlässig sein, so dass sich die Gegend nach ausgiebigen Regenfällen fast in ein „schottisches Hochmoor“ verwandelt. Alles hier oben wird beherrscht von den vielen Windrädern, die etwa 2 % des Strombedarfs von Madeira liefern sollen. Es gab sogar mal den Plan hier oben einen Flughafen zu errichten, da die Gegend menschenleer ist. Dieser wurde aber wegen der widrigen Wetterverhältnisse, die hier herrschen können, wieder verworfen.

die grandiose Bergwelt rund um den Encumeada Pass

schöne Aussicht in die grandiose Bergwelt rund um den Encumeada Pass

schöne Aussicht in die grandiose Bergwelt rund um den Encumeada Pass

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Die Strasse schlängelt sich durch das Windradfeld hindurch und nach einer der nächsten Kurven sieht man dann plötzlich eine ganz andere Welt vor sich, das zentrale Bergmassiv Madeiras. Beeindruckend, weil man sozusagen von oben kommend in die Berge hineinsehen kann. Die Wolken ziehen zwischen den Gipfeln hindurch und auch weiter unter sind Wolken zu erkennen. Die Straße windet sich langsam bergab, durch einige Tunnel hindurch und immer wieder ist der Anblick ein anderer. Man sieht aber auch wie hier wie die Waldbrände gewütet haben. Solche ausgedehnten verbrannten Flächen sind uns vorher auf Madeira noch nicht begegnet.

Aussicht vom Encumeada Pass

Am Encumeada Pass (1007 m) legen wir einen kurzen Stopp ein. Allerdings gefällt mir die Aussicht von hier aus nicht besonders gut. Weiter oben auf der Straße war sie eindeutig besser. Wir kaufen noch einige wenige Souvenirs und fahren dann auf der VE4 talabwärts Richtung Ribeira Brava. Die beeindruckende Bergwelt bleibt hinter uns zurück und der Verkehr wird dichter. Allerdings sind auch die Wolken sehr dicht geworden, grau ist die vorherrschende Farbe. Nichts mehr mit Sonnenschein und einem eventuellen Bad im Pool. Über die Schnellstraße fahren wir Richtung Hotel Atrio.

Sprit und Probleme mit dem Bargeld

Unterwegs tanken wir den Wagen, nun zum letzten Mal, voll und fahren dann weiter nach Estreito do Calheta. An der Banif Bank im Ort werden wir uns noch Geld besorgen, denn im Atrio Hotel herrscht Barzahlung. Kreditkarten und EC-Karten werden nicht akzeptiert. Also EC-Karte in den Automaten und siehe da, er spricht deutsch mit uns. Was er allerdings zeigt, verdutzt uns dann doch. „Bitte wenden sie sich mit ihrer Karte an eine andere Bank“, was soll denn das?. Vielleicht hängt das mit dem neuen Sicherheitssystem „V-Pay“ zusammen, vorher war es ja „Maestro“. Seitdem kann man auch kein Geld mehr im außereuropäischen Ausland mit den neuen Karten abheben, aber noch sind wir ja in Europa oder?. Also versuche ich es mit einer Kreditkarte und es klappt anstandslos. Allerdings kann man pro Vorgang nur maximal 200€ abheben, egal ob EC oder Kreditkarte. Also versuche ich es noch mal mit der EC-Karte und plötzlich wird auch diese akzeptiert. Wunderlicher Automat.

eine madeirensische Spezialität

Jedenfalls haben wir unser Geld und fahren endgültig zurück in Hotel. Wir gönnen uns, es ist er 15 Uhr 45, Kaffee und Kuchen, da wir sonst selten so früh im Hotel zuückgekehrt sind. Anschließend genießen wir die freie Zeit bis zum Abendessen. Um kurz nach 18 Uhr finden wir uns dann im Restaurant ein.

Rinderfilet auf Lorbeerzweig mit Meersalzkartoffeln - eine leckere Madeirensische Spezialität

Rinderfilet auf Lorbeerzweig mit Meersalzkartoffeln - eine leckere Madeirensische Spezialität

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Heute früh hatten wir uns an der Rezeption das Menü des Tages, Rinderfilet auf Lorbeerzweig, bestellt. Dieses hatte uns schon beim ersten Mal sehr gut geschmeckt und ist eine Madeirensische Spezialität. Das Rinderfilet ist sehr zart und auch die Meersalzkartoffeln passen gut dazu. Noch ein Glas Rotwein und wir sind zufrieden.

Die starke Bewölkung hat sich zwar nicht auf gelöst, aber es ist trocken geblieben und völlig windstill. Bei 22 Grad ist das dann trotzdem noch sehr angenehm zu ertragen. Jetzt werden wir zum vorletzten Mal unser Abendprogramm abspulen, denn am Donnerstag geht es wieder nach hause. Es war wieder ein sehr schöner Tag mit vielen neuen Eindrücken. Madeira ist eine wirklich sehr vielfältige Insel.

Balken die heutige Tour im Rother Wanderführer :
Tour 41, von Fanal nach Fio, ohne Abstecher 2.Aussichtspunkt

Balken
Wetter : morgens sonnig, auch im Fanal durchweg wolkenfrei bei angenehmen 23 Grad (1200m hoch), später im Bereich Encumeada-Pass durchziehende Wolken, an der Küste später stark bewölkt
Unterkunft : Hotel Atrio ÜF
Fahrtkilometer : 78
Wanderkilometer : 5
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